Schüler experimentieren 2020 – so geht es weiter

Ein Interview mit Landeswettbewerbsleiter Michael Stefan

Selten wird es so deutlich wie dieser Tage, welchen wichtigen Stellenwert die Wissenschaft in unserem Leben einnimmt. Die ganze Welt verfolgt momentan, wie Forscher in verschiedenen Ländern an einem Gegenmittel bzw. an einer Impfung gegen das Corona-Virus und die Krankheit COVID-19 arbeiten.

Trotzdem fällt es Nachwuchswissenschaftler*innen  in diesen Wochen schwer, sich weiterzuentwickeln – Schulen sind geschlossen und wichtige Wissenschaftswettbewerbe wie Jugend forscht und Schüler experimentieren wurden abgesagt.

Während unsere bayerischen Talente wenigstens in den meisten Regionalwettbewerben ihre eindrucksvollen Projekte präsentieren konnten, ist dies auf Landes- und Bundesebene dieses Jahr leider nicht mehr möglich.

Der bayerische Wettbewerbsleiter Michael Stefan steht Rede und Antwort zu den Geschehnissen hinter den Kulissen 2020 und erklärt, wie es mit Schüler experimentiert weitergeht.

Herr Stefan, wie lief die Entscheidung, den Landeswettbewerb ausfallen zu lassen bzw. verschieben zu müssen, genau ab?

Das bayerische Wissenschaftsministerium hat am 11. März 2020 bekannt gegeben, dass der Vorlesungsbetrieb an den Universitäten und Hochschulen eingestellt wird und sämtliche Veranstaltungen abgesagt werden müssen – also auch der Landeswettbewerb von Schüler experimentieren an der Universität Regensburg. Die Entscheidung, ob wir den Wettbewerb stattfinden lassen oder nicht, ist uns sozusagen „abgenommen worden“.

Dies ist in Anbetracht der geleisteten Arbeit und der Vorgeschichte in Bezug auf die Sponsorensuche mehr als bedauerlich. Diese hatte sich über mehr als ein halbes Jahr lang hingezogen und Anfang Dezember 2019 war noch nicht klar, ob der Landeswettbewerb dieses Jahr überhaupt stattfinden kann.

Es ist dem großen Engagement von Dr. Stephan Giglberger (Patenbeauftragter der Universität Regensburg) und Dr. Nico Kock (stellv. Geschäftsführer und Mitglied des Vorstands der Stiftung Jugend forscht e.V.) zu verdanken, dass mit dem Verband der bayerischen Wirtschaft (vbw) und der Scheubeck-Jansen-Stiftung zwei Finanzierungspartner wahrlich in letzter Sekunde gefunden werden konnten. Ein besonderer Dank gilt auch dem bayerischen Kultusministerium (in Persona von MR Dieter Götzl und OStRin Mira Neygandhi), welches im Dezember 2019 mit einer Ausfallbürgschaft dafür gesorgt hatte, dass zumindest mit den ersten Arbeiten begonnen werden konnte.

Abschließend kann ich mich nur bei Dr. Stephan Giglberger und seiner Mitarbeiterin Pauline Drexler für die geleistete Arbeit und die exzellente Zusammenarbeit bedanken. Es freut mich sehr, dass die Universität Regensburg (auch) nächstes Jahr als Pateninstitution dem Landeswettbewerb von Schüler experimentieren eine Heimat geben wird!

Der Gewinn bei Schüler experimentieren ist ja immer auch mit Preisen verbunden. Wissen Sie schon, wie Sie damit verfahren wollen?

Leider können wir in dieser Wettbewerbsrunde keine Preise vergeben.

Für die Teilnehmer ist die Absage natürlich eine Riesenenttäuschung, wollten sie doch ihre Erfindungen in der Öffentlichkeit präsentieren. Haben Sie einen Tipp, was sie mit ihren Projekten machen können?

Die Enttäuschung ist bei allen Beteiligten –Teilnehmer*innen, Organisatoren, Eltern, Betreuungslehrer*innen und Jurymitgliedern – riesengroß, dies bestätigen mir die vielen E-Mails, die ich in dieser Zeit erhalten habe. Denn Jugend forscht ist mehr als nur das Präsentieren eines Projekts, es ist der Austausch untereinander, der der Veranstaltung das ganz besondere Flair verpasst. Und den wird es nächstes Jahr hoffentlich wieder geben, daher mein Tipp: Arbeitet weiter an Eurem Projekt und meldet Euch damit wieder für die nächste Wettbewerbsrunde an.

Sehen Sie irgendeine Chance, dass Jugend forscht 2020 noch nachgeholt wird oder Teile davon in 2021 integriert werden?

Laut Wettbewerbsbedingungen muss der Wettbewerb vor dem 30.06.2020 stattfinden. Ob und wie sich das umsetzen lässt, kann zum jetzigen Zeitpunkt nicht gesagt werden. Unsere Planungen für 2020 liegen vorerst auf Eis, wobei ich eine Durchführung Mitte/Ende Juni 2020 für unrealistisch halte.

Eine Sonderstellung haben die Projekte, die am ausgefallenen Regionalwettbewerb Niederbayern angetreten wären. Hier ist die Situation so, dass die Jugendlichen mit diesen Projekten unverändert an der neuen Wettbewerbsrunde teilnehmen können. Vorausgesetzt sie erfüllen die dann gültigen Teilnahmebedingungen.

Letzte Frage an Sie als Landeswettbewerbsleiter, der ja alle Projekte von den Regionalwettbewerben her kennt. Was ist uns da in diesem Jahr entgangen? Was waren die spannendsten Neuerungen und Innovationen?

Da ich nicht an allen Regionalwettbewerben vor Ort war, möchte ich an dieser Stelle hier nicht einfach pauschal Projekte herausgreifen. Was mich aber auch dieses Jahr wieder sehr beeindruckt hat, waren die vielen kreativen und innovativen Ideen der Jugendlichen rund um die Themen Umwelt und Klima.

Herr Stefan, wir danken für dieses Gespräch.